Die 18. Störtebeker-Spielzeit am Jasmunder Bodden auf Rügen

Störtebeker findet die Liebe Marias und ein weiteres Zeichen

Festspiele auf der Naturbühne in Ralswiek bis 4. September

RALSWIEK. Seit 1307 ist mit der Verfolgung des Ritterordens der Templer auch deren Schatz verschwunden. Berühmte Personen in echt und auf Leinwand und Bühne haben sich bemüht, dem Geheimnis der Ritter aus dem Mittelalter auf die Spur zu kommen und das sagenumwobene Gold zu finden. Jetzt im zweiten Jahr auch der Pirat Klaus Störtebeker (wieder gespielt von Sascha Gluth) und seine Likedeeler (Gleichteiler). Wie Seenebel vom Mittelmeer steigt weißer Rauch am Jasmunder Bodden auf und der Held betritt reitend auf die von der Bankkulisse Genuas und einer Maurenfestung (Bühnenbild Falk von Wangelin) gesäumten Kulisse. Die über 8.000 Zuschauer sind in das Jahr 1397 und in die von den Mauren besetzte Provinz Andalusien versetzt. Die 18. Störtebekerfestspiele nehmen von diesem 19. Juni an unter dem ersten Szenenapplaus ihren Lauf.
Von der Kanalküste nach Granada
Nachdem im ersten Teil der neuen Trilogie „Störtebekers Gold“ das Vermächtnis eines Templers, der an der Ostseeküste von Vorpommern zu Tode kam, erfüllt ist und ein weiterer Schlüssel in Form einer eisernen Lilie für das Puzzle gefunden wurde, setzen die Likedeeler Segeln in Richtung Mittelmeer und landen entsprechend der Hinweise in Granada. „Diese Reise war damals durch die Verfolgung der Piraten im Nord- und Ostseeraum durchaus möglich, ist aber nicht historisch belegt“, meint Regisseur Holger Mahlich, der in den zweite Teil der Trilogie unter dem Titel „Der Flucht des Mauren“ aber viele Ereignisse und Personen der damaligen Zeit in die Geschichte übernimmt. Der Regisseur setzt das Bild eines funktionierenden Staatsgebildes, in dem Christen, Juden und Muslimen friedlich miteinander leben. Der Haudegen Störtebeker lernt in dieser andalusischen Stadt die schöne Maria (gespielt Claudia Gaebel, die zum erstenmal in Ralswiek dabei ist) kennen und lieben. Auf sie lastet ein Fluch, den nur ein „Weißer Ritter“ von ihr nehmen kann. Die junge, hübsche Frau glaubt, dass Störtebeker dieser „Erlöser“ sei. Drumherum entwickelt sich nun die Geschichte mit Seeschlachten gegen den „Schwarzen Kracken“, mit vielen Marktszenen, einem Crash im bis dahin mächtigem Bankhaus „San Giorgio" von Genua, mit der begehrte Reliquie des Heiligen Antonius und fast mit dem Beginn eines Krieges, den Klaus Störtebeker gerade noch so verhindern kann. Marie findet letztendlich in Störtebeker den „Weißen Ritter“, der Fluch hebt sich auf. Dank vieler Tricks und Raffinessen öffnet sich dann am Ende die Erde und der Heilige Antonius als Schutzpatron verlorener Schätze gibt ein goldenes Buch mit Karte und Kompass frei, der in der dritten Folge dann Maria gemeinsam mit Störtebeker und seinen Mannen (im kommenden Jahr) zum Templerschatz führt soll. Am Ende eines dialogreichen, mit gewagten Stunts und pyrotechnischen Effekten reichlich belegten Abends setzen die Piraten wieder Segel mit Kurs gen Norden. „Auf nach Schottland“, ist die klare Ansage.
Erstmals sind auch Kamele auf der Bühne in Aktion
Das Stück lebt in erster Linie von den schauspielerischen Leistungen der Darsteller. Neben den 30 professionellen Künstlern wirken 120 Laiendarsteller aus Ralswiek und von der gesamten Insel Rügen mit. Sie alle machen das Geschehen auf der Bühne vielfältig und stimmungsvoll. Der Zuschauer kann in einen bunten Markt eintauchen, auf dem Gewürz- und Teppichhändler, Obstverkäufer und andere ihre Waren anpreisen. Neben Pferden, Eseln und Adler sind diesmal sogar Kamele im Geschehen einbezogen. Auch all das trägt dazu bei, dass Ralswiek in den letzten 18 Jahren fast schon eine Kultstätte, ja ein Walfahrtort wurde. Schon am Premierentag zog es Familien und ganze Fangruppen an den Jasmunder Bodden. Schon Stunden vor dem ersten Kanonendonner was das kleine Dorf und seine Rasenflächen mit Picknickkörben und Decken gespickt, fand man in den wenigen Gaststätten kaum noch ein Plätzchen für Kaffee und Kuchen. Und selbst das Wetter spielte zur ersten Aufführung richtig gut mit. Hier und da merkte der geübte Zuschauer noch das Lampenfieber einer Premierenvorstellung. Fast 200.000 Karten sind schon verkauft oder bestellt. Es könnte einen neuen Zuschauerrekord geben. Wie sagt doch Intendant Peter Hick: „Seit der Gründung der Festspiele sind sie eine Erfolgsgeschichte. Nicht künstlerische Selbstverwirklichung zum Selbstzweck ist das Ziel. Wir wollen spannende Geschichten erzählen, die den Zuschauer berühren und fesseln.“ So wird es sicher auch wieder bis zum 4. September von montags bis samstags jeden Abend beim diesjährigen Störtebeker-Spektakel sein.

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Informationen und Tickets: Störtebeker Festspiele, Telefon 038 38 311 00, Fax 038 38 31 31 92,
E-Mail info@stoertebeker.de und Internet www.stoertebeker.de

Hintergrundkachel: Störtebeker Festspiele GmbH

 
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