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Das hat es im Ostseebad
noch nicht gegeben! So gestaltete sich Mitte März 2002 die erste
Pressemeldung in der OZ, eine der auflagenstärksten Zeitungen des
Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern. Und es war nicht die einzige und
nicht die letzte Information, die in den regionalen und überregionalen
Medien bis hin zu einer Präsentation im Internet
für Aufmerksamkeit sorgte.
Was das besondere dieser Aktion ausmachte und deren Publikumswirkung
begründet hat, das vermag wohl kaum bis ins letzte Detail zu erklären
sein.
Ich bin Haide, ein
Mädchen von 1,57 m Körperhöhe und einem weiten Herzen
für meine regionale Heimat Warnemünde an der Ostseeküste.
Eigene künstlerische Ambitionen haben bisher 50 Jahre meines Lebens
geprägt und mündeten letztlich in eine Solokariere als Folklore-Sängerin
mit einem eigenen Programm. Es lädt ein zu der unterhaltsamen Veranstaltung
Eine musikalische Reise durch Mecklenburg-Vorpommern mit Haide.
Darin werden musikalische
Kostbarkeiten in literarischen Bildern offeriert, die ein Stimmungsbild
zeichnen, das auf die landschaftlichen Schönheiten dieser Region
aufmerksam macht, die Faszination des Meeres beschreibt und die Urwüchsigkeit
der hier lebenden Menschen herausstellt. Auch die bildhafte plattdeutsche
Sprache hat ihren Platz und vermittelt touristische Informationen über
unser Land. Das Programm lebt von der Nähe zum Publikum.
Die Künstlerszene
von Warnemünde ist mir vertraut. Jährlich veranstaltet der
Künstlerdienst des Rostocker Arbeitsamtes ein Branchenmeeting
ein Treffen unter uns letzteres mit Datum vom 31.Januar
2002. Es war ein bemerkenswerter Tag dieser Letzte des ausklingenden
ersten Monats im neuen Jahr.
Meine Idee, die lange vorher geboren ward, sollte jetzt Form und Inhalt
bekommen. Es war mein lang gehegter Wunsch, einmal alle Warnemünder
Künstler in einer gemeinsamen Gala auf der Bühne zu vereinen
zumal sich der Hintergrund für so eine Aktion in diesem
Jahr geradezu anbot. Das Drehbuch für den Niegen Ümgang
, dem alljährlichen historischen Spektakel, das jeweils am 1. Sonnabend
im Juli stattfindet, ist neu geschrieben worden. Seine Autoren sind
der verstorbene Pastor, Rolf Grund, der Heimatforscher, Gerhard Lau
und der Musiker, Fritz Roggelin. Es gilt, die Geschichte Warnemündes,
seine einzigartige Kultur und Sprache aber auch seine Verbindung zu
den europäischen Nachbarn verständlich zu machen. Dabei sollen
Spielszenen, Ümgang und Zuschauer so einbezogen werden, dass ein
großes gemeinsames und Alles und Alle einbeziehendes Fest der
Warnemünder Tradition entsteht.
Ein solches Fest mit höherem künstlerischem Anspruch kostet
auch mehr. Sponsoren und bisherige Benefizkonzerte brachten schon zusätzliche
Gelder ein aber lange nicht genug, um alle anstehenden Unkosten
zu decken.
So
stand das Motto für unsere Veranstaltung für mich fest, nämlich
Warnemünder Künstler singen für den Niegen
Ümgang!
Die ersten Künstler, die am 31.Januar zusagten, dabei zu sein,
waren die Duo-Formationen, De Plattföt und Tonart.
Es folgten die Sängerin norddeutscher Hit`s, Heide Mundo, sowie
die Warnemünder Urgesteine Rod Cocker und Hein ut Warnemün`.
Für die Trachtengruppe des Ostseebades war es eine Selbverständlichkeit
mitzuwirken ebenso für die legendere Shanty-Crew De Klaashahn`s.
The Seagull`s versprachen mit ihren temperamentvollen Line-Danzen
einen besonderen Farbtupfer ebenso wie das Warnemünder Original
Mariken, das gemeinsam mit dem Drehorgelspieler Günther Lohmann
dem Publikum schon im Vorprogramm tüchtig einheizen sollte. Auch
die Folk-Gruppe Irish Coffee versprach, wenn auch in reduzierter
Besetzung, dem Fest die richtige Würze zu geben. Na, und ich selbst
durfte mich ja auch einbinden und dieser so noch nicht dagewesenen Show
meinen Stempel aufsetzen und das gleich in zweifacher Präsentation
nämlich als Manegerin des Ganzen und als Sängerin mit
einem extra produzierten Titel für diese Gala einem DANKE-SONG.
Zwar an letzter
Stelle genannt - jedoch in seinem Stellenwert an vorderster Stelle -
rangierte die Zusage von Hans-Jörg Goldhofer, einem kompetenten
und äußerst sympatischen Moderator, der nicht nur mit dem
Ostseebad und dessen Entwicklung vertraut ist sondern auch mit dem Künstlerensemble
eins ist. Das war für uns Garantie und Grund genug, zuversichtlich
ans Werk zu gehen.
Die eigentliche Arbeit aber begann Schritt für Schritt
mit Harald, meinem lieben Partner und Ehemann.
Die erste Konzeption als Grundlage für unsere Veranstaltung haben
wir in einer Warnemünder Kneipe entworfen. Wir hielten unsere Gedanken
fest , indem wir sie auf weiße Servietten kritzelten, die uns
zu Bratkartoffeln und Bier gereicht wurden, bevor ich sie in den nächsten
Tagen im Computer sorgfältig aufarbeiten konnte, um sie dann als
Arbeitsgrundlage den offiziellen Kulturvertretern des Ostseebades vorzulegen.
Skepsis und Bedenken
waren die ersten Früchte, die unseren Aktivitäten entgegengeworfen
wurden. Die Idee sei kaum realisierbar, man habe schließlich so
seine Erfahrungen gemacht mit Benefiz, die Leute kämen nicht, das
seien die Erfahrungen gestandener Organisatoren, die von der Sache was
verstünden ... Übrigens müsse für so eine Veranstaltung,
wie wir sie vorhätten, ein Drehbuch vorliegen.
Aber der Funke, der in mir brannte, hatte sich längst zu einem
Feuer entfacht, das nun nicht mehr zu löschen war.
Mit der endgültigen Konzeption haben wir dann ein Manegement begründet,
von dem wir überzeugt waren, dass es funktionierte.
Ich brannte lichterloh für meine Idee und hatte es nicht schwer,
das Feuer weiterzugeben.
So stellten wir in der Presse nacheinander alle Künstler vor
in Wort und Bild. Ein sicheres Fundament bei der ganzen Vorbereitung
war für uns die Bereitstellung des Kurhaussaales durch den Chef
des Hauses kostenlos! Somit durfte das Erste Haus am Platz
die Kulisse bilden für unsere Veranstaltung.
Nun heizten wir den Warnemündern, Rostochern und den Gästen
der Stadt tüchtig ein. Die Werbung lief auf Hochtouren. Bunte Plakate
schmückten zahlreiche Schaufenster von Geschäften, Hotels,
Pensionen und öffentlichen Plätzen des Ostseebades. Auch unser
Marketing funktionierte. Das Warnemünder Blumengeschäft der
Familie Hunter, PROF I FLORA, sorgte mit 100 Horthensien
in rosa, rot und lila als Leihgabe für ein buntes
Blumenmeer auf der Bühne. Der Warnemünder Designer, Hansi
Parczik, gestaltete einen attraktiven Bühnenhintergrund. Alle organisatorisch
- technischen Erfordernisse konnten optimal umgesetzt werden.
Die Künstlerversorgung
wurde durch einen Cateringvertrag mit dem Kurhaus abgesichert. Das Ticket-Center
des Kurhauses und die Touristinformation Warnemünde übernahmen
den Kartenvorverkauf. Die gesamte tontechnische Betreuung lag in den
Händen von Olaf, Ulf und Stephan vom Musikfachgeschäft Warnemünde
selbverständlich ohne Gagenforderung.
Am 11.April war es dann soweit. Harald und ich waren bereits um 10 Uhr
vor Ort und gestalteten die Bühne. Noch bevor um 16 Uhr die ersten
Künstler zur Durchlaufprobe erschienen waren, erfuhren wir
die Veranstaltung ist restlos ausverkauft! Und was dann ab 19 Uhr über
die Bühne ging, das war im wahrsten Sinne des Wortes eine musikalische
Party -ein Feuerwerk an Musikalität und Temperament. Die Kontraste
der Darbietungen wechselten und sorgten für eine ausgelassene Stimmung
im Saal. Die Zuschauerreihen glichen zeitweise einem wogenden Meer von
Körpern, die sich rythmisch zur Musik bewegten. 80 Künstler
passierten in den folgenden zweieinhalb Stunden die Bühne und offerierten
ein mitreißendes Konzert, das dazu noch liebenswert und kompetent
moderiert wurde. Die Warnemünder und ihre Gäste zeigten sich
begeistert solange bis der letzte Akkord verklungen und die Bühne
trotz wiederholter Zugabenrufe dann endlich leer war und auch die bunten
Lichtreflexe, die die Show vielfarbig begleitet hatte, all den vielen
Blumen auf der Bühne nun etwas Gespensterisches verlieh.
Mehrere Künstler
saßen noch bis in die letzte Stunde des zu Ende gehenden 11 Kalendertages
des Monat April zusammen und jeder von uns schien sich noch ein wenig
unter dem Eindruck des eben Erlebten einschließlich des
eigenen künstlerischen Auftritts - zu befinden.
Ein solches musikalisches Angebot von Künstlern, die im Ostseebad
zu Hause sind, bzw. ihre Wurzeln in dieser Region haben, das hatte Warnemünde
bis dato nicht erlebt.
Es hat im Nachhinein noch so manches Gespräch gegeben mit offiziellen
Kulturvertretern des Ostseebades, die in erster Euphorie ein solches
Beispiel zu übernehmen gedachten, und eine Wiederholung dieser
Aktion war an diesem Abend der viel zitierte Wunsch von Akteuren als
auch von Kulturverantwortlichen der Stadt.
Harald und ich aber wissen das was hier heute Abend über
die Bühne gegangen ist, ist so nicht wiederholbar. Die Einzigartigkeit
dieser Veranstaltung war der Spontanität seiner Ideengeber geschuldet
und deren Anspruch, mit hoher Risikobereitschaft diese Aktion mutig
zu beginnen und durchzusetzen.
Es war eine Privatinitiative für unser Warnemünde - eben eine
HERZENSSACHE.
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