Eine bunte musikalische Party für den „Niegen Ümgang“
Warnemünder Künstler luden ein!

Eine Nachbetrachtung zur Benefiz-Veranstaltung vom 11.04.2002
von Haide Steffen

Das hat es im Ostseebad noch nicht gegeben! So gestaltete sich Mitte März 2002 die erste Pressemeldung in der OZ, eine der auflagenstärksten Zeitungen des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern. Und es war nicht die einzige und nicht die letzte Information, die in den regionalen und überregionalen Medien – bis hin zu einer Präsentation im Internet – für Aufmerksamkeit sorgte.
Was das besondere dieser Aktion ausmachte und deren Publikumswirkung begründet hat, das vermag wohl kaum bis ins letzte Detail zu erklären sein.

Ich bin Haide, ein Mädchen von 1,57 m Körperhöhe und einem weiten Herzen für meine regionale Heimat Warnemünde an der Ostseeküste. Eigene künstlerische Ambitionen haben bisher 50 Jahre meines Lebens geprägt und mündeten letztlich in eine Solokariere als Folklore-Sängerin mit einem eigenen Programm. Es lädt ein zu der unterhaltsamen Veranstaltung „Eine musikalische Reise durch Mecklenburg-Vorpommern mit Haide“.

Darin werden musikalische Kostbarkeiten in literarischen Bildern offeriert, die ein Stimmungsbild zeichnen, das auf die landschaftlichen Schönheiten dieser Region aufmerksam macht, die Faszination des Meeres beschreibt und die Urwüchsigkeit der hier lebenden Menschen herausstellt. Auch die bildhafte plattdeutsche Sprache hat ihren Platz und vermittelt touristische Informationen über unser Land. Das Programm lebt von der Nähe zum Publikum.

Die Künstlerszene von Warnemünde ist mir vertraut. Jährlich veranstaltet der Künstlerdienst des Rostocker Arbeitsamtes ein Branchenmeeting – ein Treffen „unter uns“ – letzteres mit Datum vom 31.Januar 2002. Es war ein bemerkenswerter Tag dieser Letzte des ausklingenden ersten Monats im neuen Jahr.
Meine Idee, die lange vorher geboren ward, sollte jetzt Form und Inhalt bekommen. Es war mein lang gehegter Wunsch, einmal alle Warnemünder Künstler in einer gemeinsamen Gala auf der Bühne zu vereinen – zumal sich der Hintergrund für so eine Aktion in diesem Jahr geradezu anbot. Das Drehbuch für den „Niegen Ümgang“ , dem alljährlichen historischen Spektakel, das jeweils am 1. Sonnabend im Juli stattfindet, ist neu geschrieben worden. Seine Autoren sind der verstorbene Pastor, Rolf Grund, der Heimatforscher, Gerhard Lau und der Musiker, Fritz Roggelin. Es gilt, die Geschichte Warnemündes, seine einzigartige Kultur und Sprache aber auch seine Verbindung zu den europäischen Nachbarn verständlich zu machen. Dabei sollen Spielszenen, Ümgang und Zuschauer so einbezogen werden, dass ein großes gemeinsames und Alles und Alle einbeziehendes Fest der Warnemünder Tradition entsteht.
Ein solches Fest mit höherem künstlerischem Anspruch kostet auch mehr. Sponsoren und bisherige Benefizkonzerte brachten schon zusätzliche Gelder ein – aber lange nicht genug, um alle anstehenden Unkosten zu decken.

So stand das Motto für unsere Veranstaltung für mich fest, nämlich –Warnemünder Künstler singen für den „Niegen Ümgang“!
Die ersten Künstler, die am 31.Januar zusagten, dabei zu sein, waren die Duo-Formationen, „De Plattföt“ und „Tonart“. Es folgten die Sängerin norddeutscher Hit`s, Heide Mundo, sowie die Warnemünder Urgesteine Rod Cocker und Hein ut Warnemün`. Für die Trachtengruppe des Ostseebades war es eine Selbverständlichkeit mitzuwirken ebenso für die legendere Shanty-Crew „De Klaashahn`s“. „The Seagull`s“ versprachen mit ihren temperamentvollen Line-Danzen einen besonderen Farbtupfer ebenso wie das Warnemünder Original Mariken, das gemeinsam mit dem Drehorgelspieler Günther Lohmann dem Publikum schon im Vorprogramm tüchtig einheizen sollte. Auch die Folk-Gruppe „Irish Coffee“ versprach, wenn auch in reduzierter Besetzung, dem Fest die richtige Würze zu geben. Na, und ich selbst durfte mich ja auch einbinden und dieser so noch nicht dagewesenen Show meinen Stempel aufsetzen – und das gleich in zweifacher Präsentation – nämlich als Manegerin des Ganzen und als Sängerin mit einem extra produzierten Titel für diese Gala – einem DANKE-SONG.

Zwar an letzter Stelle genannt - jedoch in seinem Stellenwert an vorderster Stelle - rangierte die Zusage von Hans-Jörg Goldhofer, einem kompetenten und äußerst sympatischen Moderator, der nicht nur mit dem Ostseebad und dessen Entwicklung vertraut ist sondern auch mit dem Künstlerensemble eins ist. Das war für uns Garantie und Grund genug, zuversichtlich ans Werk zu gehen.
Die eigentliche Arbeit aber begann – Schritt für Schritt – mit Harald, meinem lieben Partner und Ehemann.
Die erste Konzeption als Grundlage für unsere Veranstaltung haben wir in einer Warnemünder Kneipe entworfen. Wir hielten unsere Gedanken fest , indem wir sie auf weiße Servietten kritzelten, die uns zu Bratkartoffeln und Bier gereicht wurden, bevor ich sie in den nächsten Tagen im Computer sorgfältig aufarbeiten konnte, um sie dann als Arbeitsgrundlage den offiziellen Kulturvertretern des Ostseebades vorzulegen.

Skepsis und Bedenken waren die ersten Früchte, die unseren Aktivitäten entgegengeworfen wurden. Die Idee sei kaum realisierbar, man habe schließlich so seine Erfahrungen gemacht mit Benefiz, die Leute kämen nicht, das seien die Erfahrungen gestandener Organisatoren, die von der Sache was verstünden ... Übrigens müsse für so eine Veranstaltung, wie wir sie vorhätten, ein Drehbuch vorliegen.
Aber der Funke, der in mir brannte, hatte sich längst zu einem Feuer entfacht, das nun nicht mehr zu löschen war.
Mit der endgültigen Konzeption haben wir dann ein Manegement begründet, von dem wir überzeugt waren, dass es funktionierte.
Ich brannte lichterloh für meine Idee und hatte es nicht schwer, das Feuer weiterzugeben.
So stellten wir in der Presse nacheinander alle Künstler vor – in Wort und Bild. Ein sicheres Fundament bei der ganzen Vorbereitung war für uns die Bereitstellung des Kurhaussaales durch den Chef des Hauses – kostenlos! Somit durfte das „Erste Haus am Platz“ die Kulisse bilden für unsere Veranstaltung.
Nun heizten wir den Warnemündern, Rostochern und den Gästen der Stadt tüchtig ein. Die Werbung lief auf Hochtouren. Bunte Plakate schmückten zahlreiche Schaufenster von Geschäften, Hotels, Pensionen und öffentlichen Plätzen des Ostseebades. Auch unser Marketing funktionierte. Das Warnemünder Blumengeschäft der Familie Hunter, „ PROF I FLORA“, sorgte mit 100 Horthensien in rosa, rot und lila – als Leihgabe – für ein buntes Blumenmeer auf der Bühne. Der Warnemünder Designer, Hansi Parczik, gestaltete einen attraktiven Bühnenhintergrund. Alle organisatorisch - technischen Erfordernisse konnten optimal umgesetzt werden.

Die Künstlerversorgung wurde durch einen Cateringvertrag mit dem Kurhaus abgesichert. Das Ticket-Center des Kurhauses und die Touristinformation Warnemünde übernahmen den Kartenvorverkauf. Die gesamte tontechnische Betreuung lag in den Händen von Olaf, Ulf und Stephan vom Musikfachgeschäft Warnemünde – selbverständlich ohne Gagenforderung.
Am 11.April war es dann soweit. Harald und ich waren bereits um 10 Uhr vor Ort und gestalteten die Bühne. Noch bevor um 16 Uhr die ersten Künstler zur Durchlaufprobe erschienen waren, erfuhren wir – die Veranstaltung ist restlos ausverkauft! Und was dann ab 19 Uhr über die Bühne ging, das war im wahrsten Sinne des Wortes eine musikalische Party -ein Feuerwerk an Musikalität und Temperament. Die Kontraste der Darbietungen wechselten und sorgten für eine ausgelassene Stimmung im Saal. Die Zuschauerreihen glichen zeitweise einem wogenden Meer von Körpern, die sich rythmisch zur Musik bewegten. 80 Künstler passierten in den folgenden zweieinhalb Stunden die Bühne und offerierten ein mitreißendes Konzert, das dazu noch liebenswert und kompetent moderiert wurde. Die Warnemünder und ihre Gäste zeigten sich begeistert solange bis der letzte Akkord verklungen und die Bühne trotz wiederholter Zugabenrufe dann endlich leer war und auch die bunten Lichtreflexe, die die Show vielfarbig begleitet hatte, all den vielen Blumen auf der Bühne nun etwas Gespensterisches verlieh.

Mehrere Künstler saßen noch bis in die letzte Stunde des zu Ende gehenden 11 Kalendertages des Monat April zusammen und jeder von uns schien sich noch ein wenig unter dem Eindruck des eben Erlebten – einschließlich des eigenen künstlerischen Auftritts - zu befinden.
Ein solches musikalisches Angebot von Künstlern, die im Ostseebad zu Hause sind, bzw. ihre Wurzeln in dieser Region haben, das hatte Warnemünde bis dato nicht erlebt.
Es hat im Nachhinein noch so manches Gespräch gegeben mit offiziellen Kulturvertretern des Ostseebades, die in erster Euphorie ein solches Beispiel zu übernehmen gedachten, und eine Wiederholung dieser Aktion war an diesem Abend der viel zitierte Wunsch von Akteuren als auch von Kulturverantwortlichen der Stadt.
Harald und ich aber wissen – das was hier heute Abend über die Bühne gegangen ist, ist so nicht wiederholbar. Die Einzigartigkeit dieser Veranstaltung war der Spontanität seiner Ideengeber geschuldet und deren Anspruch, mit hoher Risikobereitschaft diese Aktion mutig zu beginnen und durchzusetzen.
Es war eine Privatinitiative für unser Warnemünde - eben eine HERZENSSACHE.

 
Foto`s: © GROSS + Ton Art


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