XX.Filmkunstfest M-V: Die ersten „45 Minuten“ sind rum


Die letzte erhaltene BUGA-Rose für das XX.Filmkunstfest M-V.. Foto: Michels
"Ayla" von Su Turhan im "Spielfilmwettbewerb". (Filmkunstfest M-V)
"Renn, wenn du kannst" von Dietrich Brüggemann im "Spielfilmwettbewerb". (Filmkunstfest M-V)

Spannung, Dramatik und Melancholie auch für die zweite Halbzeit/Am Sonntag erlischt das cineastische Feuer des XX.Filmkunstfestes M-V

Das XX.Filmkunstfest hat trotz Baustellen rund ums CAPITOL; Wasser von oben und untersten Luft-Temperaturen die Leidenschaft der Teilnehmer und Zuschauer bislang entfachen können. Lesungen, Konzerte, Ausstellungen, Talkrunden und natürlich die Filmvorstellungen fanden bislang regen Zuspruch.

Am heutigen Freitag heißt es hingegen im CAPITOL/Saal 1 „Manfred Krug, Uschi Brüning und Jazzin` the Blues“. Ein großes Konzert in einer traditionsreichen Einrichtung. Dort, wo sich vor 64 Jahren KPD und SPD auf Druck und Zwang der sowjetischen Besatzungsmacht und der KPD-Landesleitung vereinigen mußten und in deren Folge mehr als 5000 Sozialdemokraten verhaftet, bespitzelt und ihrer Ämter enthoben wurden sowie selbst anti-stalinistisch gesinnte Kommunisten Repressalien erlitten. Dort wird das Allround-Talent Manne Krug, der aus seiner Abneigung gegen die DDR-Diktatur nie ein Hehl machte und ins Visier der Stasi geriet, einen sicherlich denkwürdigen Auftritt haben.

Denkwürdig – gerade vor dem Hintergrund des 65.Jahrestages des Kriegsendes 1945 – war auch eine Preisverleihung am 5.Mai. Noch einmal wurde das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte wach – der Massenmord an den Deutschen jüdischen Glaubens während der nationalsozialistischen Diktatur. Den Medienpreis der Architektenkammer MV erhielt die NDR Journalistin Ulrike Steinbach für ihre Fernsehreportage „Eine Stadt baut ihre Synagoge: Jüdisches Leben kehrt zurück nach Schwerin“.
So wurde die neue Schweriner Synagoge am 3.Dezember 2008 im Innenhof der Gebäude an der Schlachterstrasse 3 / 5 eingeweiht – 70 Jahre, nachdem die alte Synagoge an diesem Standort durch die Nazis verwüstet wurde.
Diese zwangen die Schweriner jüdischen Glaubens sogar, diese auch noch eigenhändig abzutragen. Der Film von Ulrike Steinbach erinnert berührend an dieses Kapitel Schweriner Geschichte und Gegenwart.

Hasso Hartmann, der leider erkrankte künstlerische Festival-Leiter, hatte in seinem Grußwort an das Filmkunstfest MV noch einmal darauf hingewiesen, dass „Schwerin für Filme steht, die in unterschiedlichsten Handschriften unsere tatsächliche Lebensrealität differenziert reflektieren. Es ist ein deutschlandweit anerkanntes Festival der Nähe, der menschlichen Wärme und des sozialen Engagements.“

Das beweisen auch die verschiedenen Beiträge für den Spielfilm-Wettbewerb.
„Transfer“ von Damir Lukacevic zeigt, wohin es führen kann, wenn „Geld die Welt“ absolut regiert. Schon die Zustände heute sind eine Schande, in der ein Viertel der Menschheit auf Kosten des „Restes“ lebt. Wenn Menschen aber zu einer Ware degradiert werden, der man sich bedienen kann, wie man will, dann ist das Ende der Menschlichkeit besiegelt. „Transfer“, ein Film, der wachrüttelt.
„Ayla“ von Su Turhan zeigt die Widersprüche im Leben der deutschen Türken bzw. türkischen Deutschen hierzulande: die leidenschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen alten Tradition und neuer Liberalität. Ein Plädoyer für mehr Mitmenschlichkeit und die Achtung des Lebens. Und vor allem Toleranz, denn Liebe macht vor Grenzen – politischen, wirtschaftlichen oder eben auch religiösen, traditionellen – nicht Halt.

Nicht unterschätzen sollte man auch den Beitrag „Cindy liebt mich nicht“ von Hannah Schweier. Auch hier geht es um Liebe, Freundschaft, echte Zuneigung, gekonnt umgesetzt in einer Dreiecksbeziehung, die nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken und Mitfühlen anregt.

Auch die anderen Spielfilme sind meisterlich, ob Franz Müllers „Liebe der Kinder“, Bartosz Werners „Unkraut im Paradies“ Jasmila Zbanics „Na Putu“, Dietrich Brüggemanns „Renn, wenn du kannst“, Andreas Kleinerts „Barriere“ oder Oliver Kienles „Bis aufs Blut – Brüder auf Bewährung“. Ganz gleich wie der Spielfilm-Wettbewerb ausgeht, von den einzelnen Filme-Machern, die hier vorgestellt wurden, werden alle ihren Weg bestimmt mit großem Erfolg weiter gehen. „Film ab“ sollte weiter deren Motto ebenfalls für die Zukunft sein.

Noch stehen drei Filmkunstfest-Tage auf dem Programm. Am 8.Mai, an diesem geschichtsträchtigen Tag, erfolgt die Preisverleihung.
Ein Preis steht schon fest. Den Ehrenpreis, den „Goldene Ochse“, für sein Lebenswerk erhält Manfred Krug. Die DDR-Staatssicherheit hätte ihn seinerzeit gern als den „zerbrochenen Krug“ erlebt, heute ist er der „goldene Krug“, der hoffentlich beste künstlerische „Manne-Kost“ weiter verabreichen wird. „Manne Murmelauge“ von der ABC-Zeitung war gestern, jetzt ist Manne Krug angesagt – eine persönliche gesamtdeutsche Geschichte in der Landeshauptstadt Schwerin, mit ihrer bewegten 850jährigen Geschichte.

Also, Wochenende nutzen, um das Filmkunstfest zu besuchen.
Am Sonntag erlischt das cineastische Feuer des XX.Filmkunstfestes M-V endgültig. Und letztendlich möchte man doch nicht versäumen, wer denn nun den FKF-Medaillenspiegel gewinnen wird.

Marko Michels 

 


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