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Baustart
für Warnowtunnel
Mit
dem Spatenstich für den Rostocker Warnow-Tunnel hat am Donnerstag
der Bau des ersten privat finanzierten Fernstraßenbauprojektes Deutschlands
begonnen. Am symbolischen Baubeginn nahmen über 300 Gäste teil,
darunter der Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Harald Ringstorff (SPD), der französische Botschafter Claude Martin,
der Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock Arno Pöker, Vertreter
des Konzerns BOUYGUES und Vertreter des Staatlichen Amtes für Natur
und Umwelt (StAuN). Das französische Unternehmen BOUYGUES wird den
Tunnel zu 80 % aus eigener Tasche finanzieren und ihn dann 30 Jahre lang
betreiben. In Abstimmung mit der Hansestadt Rostock wird sichergestellt
werden, dass die Höhe der Maut sozial- und wirtschaftsverträglich
bleibt. 
Sie soll die vier-Mark-Grenze nicht überschreiten, so versichern
Vertreter der Stadt. "Mit dem auf 417 Millionen Mark veranschlagten
Pilotprojekt nehme Mecklenburg-Vorpommern eine Vorrreiterrolle ein",
betonte Ministerpräsident Harald Ringstorff. "Es ist ein Zeichen,
dass sich was tut in Mecklenburg-Vorpommern", sah er seine Politik
im Lande bestätigt.
Auch für den Rostocker OB Arno Pöker "ist es ein grosser
Tag". Nach zuletzt mehreren Meinungsverschiedenheiten über die
Beteiligung mit öffentlichen Mitteln trieb er das Zustandekommen
des Vertrages immer wieder voran. Mit Gewerbesteuereinnahmen von 250 Millionen
DM und einer deutlich höheren Attraktivität der Stadt Rostock
rechnet er. Sichtlich gut gelaunt auch der Chef von BOUYGUES Michel Cote.
"2000 Arbeitsplätze wird die Warnow-Tunnelung schaffen",
ist er sicher. Für den Tunnel müssen die Arbeiter 1,2 Millionen
Kubikmeter Schlick, Sand und Mergel bewegen, brauchen 80000 Kubikmeter
Beton und 7000 Tonnen Stahlbeton. Drei Viertel der Leistungen will der
französische Konzern an Firmen aus Mecklenburg-Vorpommern vergeben.
Der 800 Meter lange Tunnel unter der Warnow umfasst vier Fahrspuren. Er
soll ab März 2003 einen Fernstraßenring um das Zentrum der
Hansestadt schliessen.
Für
Interessierte noch einige Ausführungen zum Projekt:
- Verkehrsspezifische Situation
Rostocks
Wie ein U erstreckt sich die Stadt Rostock um die Unterwarnow, einer
natürlichen Erweiterung des Flusses Warnow auf 400 bis 900 Meter
Breite etwa 15 Kilometer vor seiner Einmündung in die Ostsee. Das
Stadtzentrum mit seinem historischen Kern liegt an ihrem südlichen
Beginn. Zwangsläufig folgte bisher das Verkehrsnetz dieser Stadtstruktur.
Das führt zu langen Wegen von bis zu 30 Kilomter innerhalb der
Stadt. Zusätzlich führt die zentrale Lage Rostocks zu einem
Engpass im Ost-West- Durchgangsverkehr auf den Ortsdurchfahrten B 103/105.
Hier quälen sich an normalen Tagen 60000 Autos durch die Innenstadt.
Die Lösung ist seit langem in der Entlastung dieser durch südliche
und nördliche Umgehungsstraßen gesehen. Prognosen von verschiedenen
Instituten errechneten für die Querung der Warnow einen potentiellen
Bedarf ohne Maut von täglich rund 40000 Fahrten und für den
Fall mit Mauterhebung von ca. 25000 Fahrten pro Tag. Die Nutzung der
als Interimslösung eingerichteten Fährverbindung an dieser
Stelle gilt als Bestätigung der Zuverlässigkeit der Prognosen.
- Brücke oder Tunnel
?
Für das eigentliche Querungsbauwerk der Unterwarnow sind zahlreiche
Varianten geprüft worden. Folgende Abwägungen galten:
- Eine Brücke mit einer
Durchfahrtshöhe für Jachten und einer beweglichen Öffnung
wäre die kostengünstigste Variante. Die Verringerung der
Durchlassfähigkeit für den Straßenverkehr wäre
infolge der Öffnungszeiten unvertretbar.
- Hochbrücke und Tunnel
wären funktionell und wirtschaftlich gleichermaßen akzeptable
Lösungen. Im konkreten Fall spielt allerdings die Einhaltung
einer vorgegebenen Längsneigung der Rampen, welche beim Tunnel
eher zu realisieren ist, eine wesentliche Rolle.
- Zudem wäre eine Hochbrücke
aus Sicht der Gestaltung -insbesondere im Bereich des künftigen
Messegeländes/IGA- nicht einzubringen.
- Ein Absenktunnel ist dem
Bohrtunnel, der wegen des geringen Eingriffs in den Fluss und seine
Ufer aus ökologischer Sicht günstiger beurteilt wird, aufgrund
der geologischen Situation aus Risiko-, Kosten- und Termingründen
vorzuziehen.
- Gestaltung der Baudurchführung
Die Realisierung des Bauvorhabens besteht in der Ausführung des
Tunnels einerseits und der Anlagen der beiderseitigen Zufahrten andererseits.
Der Tunnel wird im Flussbereich im Einschwimmverfahren hergestellt.
Dazu werden die sechs 120 Meter langen und 22000 Tonnen schweren Doppelröhren
paarweise in einem Baudock am Westufer gegossen und an den Kopfenden
verschlossen. Nach Fluten des Docks werden sie auf die Unterwarnow geschleppt
und im Seehafen zwischengelagert. Auf der Westseite schliesst sich eine
Verlegung des Gross-Kleiner Dammes bis hin zum vierspurigem Ausbau der
neuen Trasse der Warnowallee an. Während der Baudurchführung
wird der eingeführte Fährverkehr bis auf vier kurze Unterbrechungen
aufrecht erhalten.
- Warum Privatfinanzierung
Auf Antrag der Hansestadt Rostock wurde die nördliche Warnowquerung
ein Vorhaben des Bundesverkehrswegeplanes 1992. Bei der "Nutzen
: Kosten-Bewertung" kam sie jedoch nicht unter den "vordringlichen
Bedarf", sodass eine Realisierung aus Bundesmitteln innerhalb der
nächsten 20 Jahre nicht möglich wäre. So oder so waren
lange Terminstellungen unvereinbar mit der Dringlichkeit der Verkehrsentlastung
der Rostocker Innenstadt. Nachdem 1994 vom Bund die rechtlichen Voraussetzungen
geschaffen wurden, erfolgte ein Beschluss der Rostocker Bürgerschaft
zur internationalen Ausschreibung des Baus und Betriebes der Warnowquerung.
Das französische Unternehmen BOUYGUES, das den Zuschlag erhielt,
verfügt dafür über entsprechende Erfahrungen in Frankreich
und international. Als Referenzobjekte seien das Pariser Stadion Saint
Denis, die weltgrösste Schrägseilbrücke "Point de
Normandie" oder der Ärmelkanal-Tunnel genannt. Die Finanzierung
erfolgt zu 80 % aus privaten Mitteln. Daran ist ausser BOUYGUES (Kapitalgeber)
die Deutsche Bank, die Nord LB und die Kreditanstalt für Wiederaufbau
(Kreditgeber) beteilgt. Durch die Maut-Einnahmen müssen nicht nur
die Entwicklungs- und Baukosten, sondern auch die Finanzierungs- und
die laufenden Betriebskosten während einer 30jährigen Konzessionsdauer
gedeckt werden.
Angaben lt. Presseamt
Text: RaB
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