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Geisterfahrer
in der Kadetrinne beschäftigen Seefahrtsexperten
Seit 1999 kämpft
der Warnemünder Landtagsabgeordnete Reinhardt Thomas im Landtag
in Schwerin intensiv für eine sichere Schifffahrt auf der Ostsee.
Viele seiner Anträge wurden bislang im Parlament abgelehnt, ungehört
blieben sie aber dennoch nicht. Am 12. März 2001 zählten
rund 100 Gäste des 2. Stammtisches zu den Erstunterzeichnern
der "Warnemünder Erklärung für ein nationales
Sicherheitskonzept westliche Ostsee", das sich für eine
stärkere Prävention im Schiffsverkehr und für eine
nationale Neuorganisation eines Havariekommandos einsetzte. Auch dieses
Konzept fand im Landtag keine Mehrheit . Erst die Kollision des Frachtschiffes
"Tern" mit dem modernen Tanker "Baltic Carrier"
am 29. März 2001, bei dem 2700 Tonnen Schweröl in die Ostsee
gelangten, führte zu einem generellen Umdenken bei den Politikern
aller Parteien. Die Bilder ölverschmierter, toter Vögel,
die kollossalen Auswirkungen der Ölpest an der dänischen
Ostseeküste und die teilweise Hilflosigkeit der Bergungsprofis
bei schwerer See zeigten überdeutlich, dass unbedingter und schneller
Handlungsbedarf bestand und leider bis heute noch besteht.
Aus diesen Gründen
luden Reinhardt Thomas und Reiner Möller am 17. März 2003
Experten zum nunmehr 8. Stammtisch Maritimer Tourismus auf das Flaggschiff
des Warnemünder Fahrgastschifffahrtsunternehmen Käpp`n Brass
ein. Rund 100 Gäste folgten der Einladung, unter ihnen viele
Kapitäne, Schifffahrtsexperten sowie Experten der Universität
Rostock. Als fachkundige Gäste konnte Reinhardt Thomas den Umweltminister
des Landes, Prof. Dr. Wolfgang Methling, den anerkannten Schifffahrtsexperten
von Greenpeace, Dr. Christian Bussau sowie Dr. Arno Höllrigl
vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen an
Bord des MS "Fürst Borwin" begrüßen.. An dieser Stelle
konnte Dr. Christian Bussau von Greenpeace einhaken. Als Schifffahrtsexperte
dieser Umweltschutzorganisation konnte er konkrete Zahlen und Fakten
präsentieren, die die Sorgenfalten der Anwesenden wachsen ließen.
Die gezeigten Bilder während seines Vortrages untermalten deutlich,
welche Gefahren in engen Fahrwassern auf der Ostsee lauern. Von weltweit
derzeit 8200 Tankern sind 3437 Einhüllenschiffe bereits älter
als 20 Jahre, darunter 2500 älter als 25 Jahre und 340 Oldtimer
bereits über 40 Jahre alt.
Von der vierwöchigen
Überwachung der Kadetrinne zum Jahreswechsel 2002/2003 konnte
Dr. Bussau einerseits feststellen, das Regelverstöße zwar
geringer als vor noch einem Jahr registriert wurden, die Anzahl der
Geisterfahrer in der Kadetrinne noch immer erschreckend hoch ist.
Die verbesserte Betonnung des Tiefwasserwegs, die Anwesenheit von
Greenpeace und die zeitweilige Präsenz der Wasserschutzpolizei
taten ihr übriges. Trotzdem mussten die Umweltschützer Schiffsbewegungen
zur Kenntnis nehmen, die knapp an Kollisionen vorbeischrammten. "Sollte
sich tatsächlich allein der Öltransport vom russischen Hafen
Primorsk von derzeit 13 Millionen Tonnen auf 90 Millionen Tonnen ab
2004 steigern, stiege die Gefahr von Kollisionen und Grundberührungen
enorm an. So würden statt derzeit 135 Tanker dann rund 1000 Tanker
jährlich diesen Hafen anlaufen", unterstreicht Bussau das
gewaltige Gefährdungspotential, das die Ostsee dann täglich
befahre. 12,5 Milliarden Euro, so hoch wird der Schaden eingeschätzt, den die Tankerkatastrophe vor Galizien verursachte. Tausende tote Seevögel, über 100 tote Seeschildkröten und mehr als 50 verendete Delfine ergänzen die traurige Liste, die die schwarze Pest an der Atlantikküste schrieb. Vernichtete Existenzen im Fischerei- und Tourismusgewerbe, 600 verdreckte Strände und 3000 Kilometer verseuchte Küstenlinie stehen auf der einen Seite und auf der anderen die lächerliche Versicherungssummen von insgesamt rund 210 Millionen Euro. Ein ökologisches Problem, dass von finanziellen Rücklagen oder Sondervermögen nicht abgedeckt ist.
In der sich anschließenden
Podiumsdiskussion meldeten sich der Präsident des Bäderverbandes
Mathias Löttge, der Geschäftsführer des Tourismusverbandes
Bernd Fischer sowie der Ältermann der Lotsenbrüderschaft
Dr. Christian Subklew zu Wort. So stellte jeder aus seiner Sicht dar,
wie wichtig die Anstrengungen für mehr Sicherheit auf der Ostsee
sind. Argumente, die einleuchteten und auch verdeutlichten, dass Vorsorge
tausendmal besser und billiger seien, als ein Großschadensereignis
auf See, dass neben der unabwendbaren ökologischen Katastrophe
auf See auch Tausende Arbeitsplätze an Land vernichten würde.
Ein Szenario, dass Bernd Fischer nach der Havarie der "Baltic
Carrier" in Berlin aufzeichnete und an das ihn heute noch Kanister
mit ölverseuchtem Meereswasser von 2001 erinnern und mahnen. Reinhardt Thomas,
der auch diesen Stammtisch moderierte, konnte abschließend feststellen,
dass erst ein kleiner Teil des Weges geschafft ist auf dem Weg zu
einer sicheren Ostsee. "Viel liegt noch im argen, noch müssen
Politiker überzeugt werden, dass bisher Erreichtes nicht ausreicht.
Auch wenn man Havarien auf See nie ganz ausschließen kann, so
sollte doch alles unternommen werden, um Katastrophen zu verhindern",
unterstreicht der ehemalige Fahrensmann. Step by step,
auch dieser Stammtisch wird ein Schritt in die richtige Richtung gewesen
sein. Und er wird mit Sicherheit nicht der letzte gewesen sein, der
sich mit diesem Thema beschäftigen muss. Text: Uwe Friesecke |
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Greenpeace
bei der Überwachung der Kadetrinne (Fotos: Greenpeace - Mit freundlicher
Genehmigung)
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Christian
Bussau berichtet über den Seeverkehr in der Kadetrinne.
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Dr.
Christian Subklew, Ältermann der Lotsenbrüderschaft
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Umweltminister
M-V
Prof. Dr. Wolfgang Methling |
Berd
Fischer, GF Tourismusverband M-V
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Dr.
Arno Höllrigl vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und
Wohnungswesen
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Interessierte
Gäste des 8. Stammtisches "Maritimer Tourismus" diskutieren
mit den Experten im Podium.
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