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Der Einwand vom
Vorsitzenden des Vereins der Kapitäne und Schiffsoffiziere, Kapitän
Rolf Permin, dass der Ausbildungsstand der Schiffsoffiziere gut sei,
trifft leider nicht auf alle seefahrenden Völker zu. Fast immer
ist es menschliches Fehlverhalten, dass in der Vergangenheit zu schlimmen
Havarien auf See führte.
Carsten S. Wibel befürchtet darüber hinaus, dass es zu riesigen
Sperrgebieten kommen wird, die der Berufs- und Freizeitschifffahrt
dann nicht mehr zur Verfügung stehen. In einem 13 Punkte umfassenden
Forderungskatalog unterstreicht er die Bemühungen, Offshore-Windkraftanlagen
sicherer zu machen. Die gegenwärtig herangezogenen Berechnungen
zu den Mindestabständen von Schifffahrtsrouten hält Wibel
für nicht geeignet, mögliche Kollisionen von Schiff und
Offshoreanlage möglichst auszuschließen. Hier sollte sich
die Politik nicht Sand in die Augen streuen lassen. "Nur wenn
die erforderlichen Bedingungen erfüllt sind, die eine zeitlich
abgesicherte Bergung eines Havaristen zulassen, können Offshoreanlagen
in der Nähe - Abstand von rund 10 Kilometern - viel befahrener
Schifffahrtswege gebaut werden. Eine Havarie eines 100.000 Tonnen-Tankers
mit einer Anlage auf See wäre das Tschernobyl auf der Ostsee.
Das aber muss schon im Vorfeld 100prozentig ausgeschlossen werden
können. Selbst die 0,5prozentige Möglichkeit ist 0,5 Prozent
zu viel", apelliert Carsten S. Wibel an die Verantwortlichen
Behörden und an die Politiker in Land und Bund.
Diesem Appell schließt sich Mathias Löttge, Präsident
des Bäderverbandes Mecklenburg-Vorpommern und Bürgermeister
von Barth, an. Sehr kritisch sieht
der engagierte Tourismuspolitiker die Entwicklung der Offshoretechnik.
Rund 1250 Windkraftanlagen sollen in der Ostsee in den nächsten
Jahren gebaut werden. Genehmigt und in der Bauvorbereitungsphase sind
die 21 vor dem Darß und über 200 allein in der Mecklenburger
Bucht. "21 Blaue Europaflaggen wehen an den ausgezeichneten Stränden
unseres Landes. Sie künden von hervorragender Wasser- und Strandqualität.
Sie sind Aushängeschild für ganz
Mecklenburg-Vorpommern, in dem über 50.000 Menschen mit Tourismus
direkt ihren Lebensunterhalt verdienen. Diese "weiße Industrie"
ist noch immer in
Entwicklung, mit zweistelligen Zuwachsraten. Ein Unglück auf
See kann diese jahrelange positive Entwicklung jäh beenden und
nachhaltig ins Gegenteil verkehren. Deshalb muss alles mögliche
getan werden, diese Anlagen sicher zu machen. Als glühender Vertreter
für die Region Fischland-Darß-Zingst möchte er allerdings
gar keine dieser Offshoreanlagen vor seiner Haustür. "Unsere
Region wirbt seit über einem Jahrzehnt mit naturbelassener Umwelt.
Mit dem sanften Tourismus haben wir eine Erfolgsgeschichte begonnen,
die wir uns nicht von Windmühlen kaputtmachen lassen wollen.
Wir sehen mit Baltic I eine große Gefahr für unseren Tourismus,
schließlich sind die Anlagen, die in einer Entfernung von 14
bis 19 Kilometern vor der Küste stehen, deutlich zu sehen",
unterstreicht
Löttge. Über die negativen Auswirkungen auf den Vogelzug
von und nach Skandinavien will der Barther Bürgermeister erst
gar nicht sprechen. Bedauernswert sieht er eine weitere Entwicklung.
Jeder, der sich kritisch mit dieser Form der Energiegewinnung auseinander
setzt, wird in die böse Ecke gestellt. Da kochen dann schnell
Emotionen hoch, die eine sachliche Auseinandersetzung sehr schwierig
machen. Diese Erfahrungen musste auch der Vorsitzende des Landesverbandes
der Kutter- und Küstenfischer M-V, Norbert Kahlfuss, machen.
Über 30 Aktenordner füllen sein Büro. In allen finden
sich Gutachten, Anfragen und sonstige Untersuchungen bzw. Planungen
zu Offshoreanlagen.
Wenn er an diese Papiere denkt, fühlt er sich dreifach betroffen.
Kommen diese Anlagen, dann sind Fangplätze weg, sind nautische
Hindernisse im Wasser, die ein erhöhtes Gefahrenpotential darstellen.
Als Küstenbewohner sieht er in den Rotoren darüber hinaus
einen Eingriff in die Natur, die nachhaltig das Landschaftsbild verschandelt.
Sauer ist er auch auf die Herangehensweise des Bundesamtes für
Seeschifffahrt und Hydrographie an die Offshore-Problematik.
Wurden vor Jahren noch Weißkartenprojektierungen vorgenommen,
die eigentlich gar keine Standorte für Offshoreanlagen in der
12-Seemeilenzone auswiesen, spricht heute keiner mehr davon. Auf die
angeforderten Stellungnahmen wurde teilweise gar nicht reagiert. Das
Eingraben der 130 Kilometer
langen Stromleitung zwischen Baltic I und Bentwisch in den Meeresboden
stelle angeblich keinen gravierenden Eingriff ins Ökosystem Ostsee
dar. Daran hat Kahlfuss allerdings berechtigte Zweifel. Zweifel plagen
auch Christian Radicke vom Vorstand des Landesseglerverbandes M-V.
"Die bislang bekannten Windparkplanungen umfassen mehrere Hundert
Quadratkilometer Wasserfläche.
Ob diese für
die Freizeitkapitäne dann befahrbar bleiben, ist noch nicht geklärt.
Sollten es Sperrgebiete werden, würde das gravierende negative
Auswirkungen auf die Sportschifffahrt haben. Es ist zu befürchten,
dass die Skipper dann nach Skandinavien ausweichen würden, wo
schon heute
bessere Bedingungen als an der deutschen Ostseeküste herrschen.
Baltic I liegt direkt in der Verbindung Hiddensee-Mecklenburg, Kriegers
Flack behindert die Verbindung Hiddensee-Kopenhagen-Südschweden
und Adlergrund kreuzt die Route Saßnitz-Bornholm. Bei maximalen
Tagestouren von 70 Seemeilen, wirken sich Umwege von ein, zwei Stunden
derart aus, dass Skipper auf diese Tagesreisen verzichten bzw. sich
an der Küste Dänemarks und Südschweden "entlanghangeln"
würden. Ein Minus im maritimen Tourismus, das nicht hingenommen
werden darf", unterstreicht der Segler aus Greifswald. Bedenken
hat er auch, wenn es um die Sicherheit der Skipper geht. Kommt es
zu einer Havarie im Windpark, sind die Verunglückten schlecht
dran. Ein Helikoptereinsatz verbietet sich, der Einsatz von Rettungsschiffen
ist erschwert. Er hält es auch für fraglich, ob eine Person,
die im kalten Ostseewasser treibt, in der Lage ist, eine Leiter an
einer Windmühle emporzuklettern.
Viele Fragen wurden in der anschließenden, teils sehr lebhaften
Diskussion gestellt. Viele Fragen, auf die es an diesem Abend keine
ausreichenden offiziellen Antworten gab. Auch ein Grund dafür,
am Ball zu bleiben. Schließlich geht es um unsere Umwelt, unser
Land, unsere Heimat.
Uwe Friesecke
Fotos: © GROSS
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